Warum KI Einsteiger-Jobs verändert, aber neue Profile schafft

Published on September 29, 2025

Der Einstieg ins Berufsleben wird zunehmend herausfordernd: Wer heute frisch von der Hochschule kommt, stößt auf deutlich weniger Angebote für Berufseinsteiger als noch vor zwei Jahren. Eine Analyse fast aller Stellenanzeigen in Deutschland zeigt, dass die Zahl der ausgeschriebenen Junior-Positionen um 34 Prozent zurückgegangen ist – während der Arbeitsmarkt insgesamt nur einen Rückgang von 18 Prozent verzeichnet. Besonders stark betroffen sind Tätigkeitsfelder, in denen Künstliche Intelligenz bereits Aufgaben übernehmen kann, wie etwa die Erstellung von Steuererklärungen, Softwareentwicklung oder Datenanalysen. Genau hier werden auch in der Steuerberatung erste Verschiebungen spürbar: Viele Kanzleien prüfen bereits, welche Standardprozesse künftig durch KI effizienter erledigt werden können.

Trotzdem braucht es weiterhin Menschen, die diese Technik einführen, trainieren und im Alltag nutzbar machen. Das zeigt sich auch in den Zahlen: Die Nachfrage nach Berufseinsteigern mit KI-Kompetenzen wächst massiv. Zwischen dem ersten Halbjahr 2023 und 2025 stieg die Zahl entsprechender Stellenausschreibungen in Deutschland um ganze 111 Prozent.

Ein direkter Beweis dafür, dass der Rückgang klassischer Einsteigerstellen ausschließlich auf KI zurückzuführen ist, lässt sich zwar nicht erbringen – konjunkturelle und strukturelle Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle. Doch die internationale Entwicklung verdeutlicht den Trend: Eine Harvard-Studie mit Daten von 285.000 US-Unternehmen bis 2025 belegt, dass Firmen, die generative KI einführen, ihre Einstellungen von Berufseinsteigern im Schnitt um 7,7 Prozent innerhalb von 18 Monaten senken.

Interessanterweise bleiben erfahrene Fachkräfte hiervon unberührt – ihre Einstellungschancen bleiben stabil. Generative KI wirkt somit wie eine „erfahrenenfreundliche“ Technologie: Sie automatisiert in erster Linie Aufgaben von Nachwuchskräften, während Senior-Profile weiterhin gefragt sind. Entlassungen gibt es dabei kaum; vielmehr werden offene Juniorstellen schlicht nicht mehr nachbesetzt.

Gerade für die Steuerberatung hat dies eine doppelte Bedeutung: Einerseits verschärft sich der Fachkräftemangel, da Kanzleien dringend qualifiziertes Personal benötigen. Andererseits bietet KI die Chance, junge Talente gezielt für neue Aufgabenprofile zu gewinnen – weniger für das Abarbeiten standardisierter Tätigkeiten, sondern mehr für Beratung, Kommunikation und kreative Lösungsansätze. Für Berufseinsteiger kann das ein Risiko sein, aber auch eine große Chance: Wer KI-Know-how mitbringt, wird in der Steuerberatung in Zukunft besonders gefragt sein.