Künstliche Intelligenz und Arbeitsrecht: Wer trägt die Verantwortung?

Published on November 25, 2025

Künstliche Intelligenz hält immer stärker Einzug in den Kanzleialltag und erleichtert viele Tätigkeiten – vom schnellen Umformulieren eines Textes bis zur automatischen Rechtschreibprüfung. Doch mit der zunehmenden Nutzung stellt sich eine zentrale Frage: Wer trägt eigentlich die Verantwortung, wenn ein KI-Tool fehlerhafte Ergebnisse liefert? Die Arbeitsrechtlerin Nathalie Oberthür ordnet ein, welche Pflichten Arbeitgeber und Beschäftigte in diesem Zusammenhang treffen.

Entscheidend ist zunächst, auf wessen Veranlassung die KI genutzt wird. Verlangt der Arbeitgeber den Einsatz eines bestimmten Tools, trägt er grundsätzlich auch die Verantwortung für mögliche Fehler und muss sicherstellen, dass Beschäftigte ausreichend geschult werden. KI-Nutzung im beruflichen Kontext unterliegt zudem dem Weisungsrecht des Arbeitgebers – sie muss rechtmäßig sein und klar geregelt werden. Beschäftigte dürfen daher nicht ohne Zustimmung des Arbeitgebers eigenmächtig KI-Tools einsetzen. Tun sie es dennoch, kann dies eine Pflichtverletzung darstellen, die bis hin zu Abmahnungen oder Kündigungen führen kann.

Anders sieht es aus, wenn Mitarbeitende eigeninitiativ auf KI zurückgreifen. In diesem Fall sind sie selbst für die Richtigkeit und Qualität ihrer Arbeitsergebnisse verantwortlich. Wer eine fehlerhafte Mail, Präsentation oder Auswertung abgibt, kann sich nicht darauf berufen, dass die KI „schuld“ war. Beschäftigte müssen die Ergebnisse stets kritisch prüfen, eventuelle Fehler korrigieren und sicherstellen, dass sie Urheberrechte ebenso wie Unternehmens- und personenbezogene Daten beachten. Diese Verantwortung gilt auch dann, wenn der Arbeitgeber die Nutzung von KI zwar erlaubt, aber ausdrücklich anordnet, die Resultate auf Richtigkeit zu überprüfen.

Für Kanzleien bedeutet das: KI kann die Arbeit erheblich vereinfachen – aber klare Regeln, Schulungen und Verantwortlichkeiten sind unverzichtbar. Denn am Ende bleibt die Frage der Haftung immer auch eine Frage der Organisation, Dokumentation und digitalen Kompetenz im Team.

 

Quelle: ntv