
(1/2) Ihr bester HR-Mitarbeiter: Die gelungene Karriereseite der Kanzlei-Website
Stellen Sie sich vor, die interessantesten Bewerberinnen und Bewerber finden fast von selbst zu Ihnen, weil Sie Inbound-Strategien zur Personalgewinnung einsetzen: Diese Kandidaten sind nicht nur motiviert, sondern mit viel höherer Wahrscheinlichkeit auch bereits davon überzeugt, dass Sie ein geeigneter Arbeitgeber sind – außerdem schauen sich viele vermutlich Ihren gesamten Online-Auftritt an. Karriereseiten sind der krönende Abschluss nach Bewertungsportalen und Sozialen Medien und sollten keine Fragen offen lassen, einladend wirken und zur Bewerbung verlocken.
Heute bewirbt man sich um Bewerber (nur wenn alles gut passt)
Als Führungskraft beziehungswese Kanzlei-Inhaberin oder -Inhaber ist es immer noch ein Prozess des Umdenkens, wenn es in der Branche überall heißt „Steuerfachangestellte, Bilanzbuchhalter oder Steuerfachwirte suchen sich Arbeitgeber aus – nicht umgekehrt.“ Zugegeben, es kann zu skurrilen Situationen kommen, wenn Bewerber die Dynamik missverstehen und gefühlt die Hierarchie des Einstellungsprozesses umdrehen möchten.
Die meisten Kandidaten haben jedoch verstanden, dass es trotz Fachkräftemangel immer noch die Steuerberaterin oder der Steuerberater sind, die unternehmerische Verantwortung und die Risiken der Kanzleiführung tragen und daher am Ende entscheiden – doch der Weg bis zu dieser Entscheidung hat sich geändert und ähnelt tatsächlich dem Umwerben spannender Menschen, die als Fachkraft eine Bereicherung sein werden.
Diese heiß umkämpften Fachmenschen haben eine große Auswahl: Die branchentypischen Stellenausschreibungen auf Portalen ermöglichen es Bewerbern, mit wenigen Klicks Dutzende von potenziellen Arbeitgebern zu vergleichen. Wie im Online-Dating, beim spontanen Shopping auf dem Wochenmarkt oder der Auswahl von Gesprächspartnern auf einer Party voller Fremde entscheiden hier kleine Details, auf wen am Ende die wichtige Aufmerksamkeit fällt. Die „Einkaufszettel-Stellenanzeigen“ haben schlechtere Karten als die flexibel aufgestellten Anzeigen, aus denen hervorgeht, dass man auch gemeinsam den Anforderungen entgegenwachsen kann.
Vor allem aber haben wir es mit einer Branche zu tun, in der traditionell eher Menschen unterwegs sind, die sich Entscheidungen gründlich überlegen und sich ein umfassendes Bild einer Kanzlei verschaffen, bevor sie sich bewerben: Über die Kanzlei-Website nämlich, besonders die Karriereseite. Wer Sie und Ihre Kanzlei in einem Portal findet, schaut sich danach unweigerlich das virtuelle Zuhause ganz genau an.
Die Karriereseite als strategische Anlaufstelle im Recruiting
Warum Inbound Recruiting für gut aufgestellte Kanzleien funktioniert: Es überträgt Prinzipien aus dem Marketing auf das Recruiting. Statt auf LinkedIn auf Fachmenschen zuzugehen oder Anzeigen zu schalten, baut eine Steuerkanzlei ein digitales Profil auf, das kritischen Bewerberansprüchen standhält, zur Kanzlei passt und daher dann auch Bewerberinnen und Bewerber anzieht, die sich wohl fühlen wollen. Es geht also nicht um das Erlernen bestimmter Taktiken, die dann per Checklist jede Kanzlei durcharbeiten kann, sondern um eine gut gegliederte und authentische Selbstdarstellung:
Versetzen Sie sich in die Lage eines Kandidaten und prüfen Sie, ob man sich auf Ihrer Karriereseite gut zurechtfindet, umfassend informiert fühlt, Kontaktmöglichkeiten und Ansprechpartner vorfindet und außerdem einiges über die Kanzlei lernt.
Kandidaten möchten verstehen, wie eine Kanzlei arbeitet, welche technologischen Standards umgesetzt wurden und welche noch zeitnah geplant sind, welche Benefits geboten werden und vor allem, welche Entwicklungschancen bestehen - und auch, ob der Umgang miteinander wertschätzend ist. Der entscheidende Vorteil für die Kanzlei, diesen Aufwand in der Sichtbarkeit zu betreiben: Der Nutzen verfällt nicht und kann immer wieder wirken. Wer sichtbar ist und klare Kriterien kommuniziert, filtert automatisch vor. Das spart Zeit, Ressourcen und erspart Recruiting Burnout, denn Bewerbungen kommen nicht mehr wahllos, sondern genau passend.
Branchen mit Fachkräftemangel und hohem Spezialisierungsgrad haben besonders hohe Chancen, mit Inbound Recruiting über die Kanzlei-Website Erfolge zu erzielen: Steuerfachkräfte wechseln nicht aus Unzufriedenheit mit dem Beruf an sich, sondern aufgrund von Kulturbrüchen, fehlender Wertschätzung oder mangelnder Perspektiven.
Demnächst im zweiten Teil "5 Anforderungen an eine Kanzlei-Karriereseite"
Über die Autorin:

Carola Heine ist gekommen, um zu schreiben. Die Marketingexpertin und IT-Journalistin gehört zu den Pionierinnen des deutschen Webs: Bereits 1996 stellte sie eines der ersten deutschsprachigen Blogs online. Seither vermittelt sie praxisnahes Fachwissen für Selbständige, Start-ups und Unternehmen – immer mit Blick auf den digitalen Wandel und die Bedürfnisse der Zielgruppe. Als erfahrene Content-Strategin, Autorin und Beraterin unterstützt sie ihre Kunden bei der Entwicklung von Online-Strategien, Blogkonzepten, SEO und Social Media. Ihre Texte, Workshops und Podcasts sind bekannt für Klartext, Humor und sofort umsetzbare Impulse.
