Muss eine Steuerkanzlei wirklich auf TikTok sein?

Published on August 24, 2026

Was hat eine Steuerkanzlei auf TikTok zu suchen?

Für viele klingt das zunächst nach einer ungewöhnlichen Kombination. Schließlich verbindet man mit der Plattform eher Unterhaltung, Trends und kurze, kreative Videos als Steuerrecht, Jahresabschlüsse und Lohnabrechnungen. Doch genau darin liegt eine Chance. Diese Frage hören wir bei Steuerberater Garrn & Nett häufig – und unsere Antwort ist inzwischen ziemlich eindeutig: Ja, es kann sich lohnen.

Denn in der Steuerbranche wird es zunehmend schwieriger, gut ausgebildete Mitarbeitende zu finden. Klassische Stellenanzeigen allein reichen häufig nicht mehr aus. Wer neue Kolleginnen und Kollegen gewinnen möchte, muss sich deshalb auch fragen: Wo sind die Menschen unterwegs, die wir erreichen möchten? Und die Antwort lautet bei vielen potenziellen Bewerberinnen und Bewerbern: auf TikTok.

 

TikTok ist nicht nur eine Plattform für Unterhaltung

Natürlich bedeutet eine Präsenz auf TikTok nicht automatisch, dass sich jemand ein Bewerbungsgespräch „wegwischt“ und anschließend direkt die Bewerbungsunterlagen schickt. Das ist auch gar nicht der entscheidende Punkt. Viel wichtiger ist die Sichtbarkeit. Menschen informieren sich heute auf unterschiedlichsten Kanälen über Unternehmen – auch dann, wenn sie zunächst gar nicht aktiv auf Jobsuche sind. Wer eine Kanzlei auf TikTok entdeckt, bekommt einen ersten Eindruck davon, wie sie arbeitet, welche Menschen dort tätig sind und welche Unternehmenskultur dahintersteht. Gerade für eine Branche, die häufig als trocken, konservativ und sehr ernst wahrgenommen wird, kann das einen entscheidenden Unterschied machen. TikTok bietet die Möglichkeit, eine Steuerkanzlei von einer anderen Seite zu zeigen.

 

Welche Zielgruppen lassen sich erreichen?

Die Plattform ist insbesondere für jüngere Zielgruppen interessant – darunter Schülerinnen und Schüler, Studierende, Auszubildende, Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger sowie junge Fachkräfte. Für Kanzleien eröffnet das mehrere Möglichkeiten: Sie können beispielsweise auf Ausbildungsberufe aufmerksam machen, Einblicke in den Arbeitsalltag geben oder zeigen, dass Steuerberatung weit mehr ist als Aktenordner und Paragrafen.

Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Menschen zu erreichen. Entscheidend ist, die richtigen Menschen neugierig zu machen. Denn vielleicht kennt ein Schüler den Beruf des Steuerfachangestellten noch gar nicht. Vielleicht studiert eine junge Frau BWL und hat eine Kanzlei bislang ausschließlich mit Zahlen und Papierkram verbunden. Oder ein potenzieller Bewerber sucht aktuell überhaupt keine neue Stelle, stößt aber auf ein sympathisches Video und merkt sich die Kanzlei. Genau hier beginnt Employer Branding.

 

Recruiting beginnt lange vor der Bewerbung

Social Media kann deshalb eine wichtige Rolle im Recruiting spielen – nicht unbedingt als klassischer Bewerbungskanal, sondern als Kontaktpunkt auf dem Weg zur Bewerbung. Wer regelmäßig authentische Einblicke gibt, baut Bekanntheit und Vertrauen auf. Potenzielle Mitarbeitende bekommen ein Gefühl dafür, ob ein Unternehmen zu ihnen passen könnte. Das ist gerade bei der Arbeitgeberwahl relevant. Gehalt und Benefits sind wichtig – aber ebenso die Frage: Wie sind die Menschen dort? Wie ist die Stimmung? Wie sieht der Arbeitsalltag aus? Und kann ich mir vorstellen, Teil dieses Teams zu sein? TikTok kann genau diese Fragen sichtbar machen.

 

Authentizität statt Hochglanzwerbung

Doch wie muss Content aussehen, damit eine Steuerkanzlei auf TikTok glaubwürdig wahrgenommen wird? Vor allem: nicht wie Werbung. Perfekt inszenierte Imagefilme funktionieren auf einer Plattform, die von Persönlichkeit, Unterhaltung und spontanen Einblicken lebt, nur bedingt. Viel besser können Inhalte funktionieren, die Menschen zeigen und einen echten Blick hinter die Kulissen ermöglichen.

Das kann humorvoll sein. Es darf auch einmal selbstironisch sein. Mitarbeitende können zu Wort kommen, typische Situationen aus dem Kanzleialltag aufgreifen oder mit Vorurteilen über die Steuerbranche spielen. Das Ziel sollte nicht sein, TikTok möglichst „professionell“ aussehen zu lassen. Das Ziel ist, professionell zu arbeiten und trotzdem menschlich zu wirken.

 

1,4 Millionen Aufrufe zeigen: Steuerberatung kann unterhalten

Unsere eigenen Aktivitäten bei Garrn & Nett zeigen, dass dieses Konzept funktionieren kann. Unser meistgesehenes Video wurde inzwischen 1,4 Millionen Mal aufgerufen. Für eine Steuerkanzlei ist das eine bemerkenswerte Reichweite. Und es zeigt vor allem eines: Auch steuerliche Themen können Aufmerksamkeit erzeugen, wenn sie kreativ, verständlich und mit einer Portion Humor vermittelt werden. Natürlich wird nicht aus jedem Zuschauer ein Bewerber. Aber mit jedem Video wächst die Chance, dass Menschen unsere Kanzlei kennenlernen, sich ein Bild von uns machen und uns als modernen Arbeitgeber wahrnehmen. Und genau darum geht es.

Die entscheidende Frage lautet nicht: „Müssen wir auf TikTok sein?“ Die bessere Frage ist: „Wo erreichen wir die Menschen, die wir künftig für unsere Kanzlei gewinnen möchten?“- Vielleicht ist die Antwort LinkedIn. Vielleicht Instagram. Vielleicht TikTok – oder eine Kombination verschiedener Plattformen. Entscheidend ist, die Perspektive zu wechseln: Nicht nur darüber nachdenken, was wir über unsere Kanzlei erzählen möchten, sondern auch, wo unsere Zielgruppen tatsächlich unterwegs sind.

Für uns bei Garrn & Nett ist TikTok deshalb kein Selbstzweck. Es ist ein weiterer Weg, sichtbar zu werden, Vorurteile gegenüber der Steuerbranche aufzubrechen und potenziellen Mitarbeitenden zu zeigen, wer hinter der Kanzlei steckt. Denn gerade beim Recruiting gilt: Bevor sich jemand bei uns bewirbt, muss er uns erst einmal kennen. Und manchmal findet dieses erste Kennenlernen eben nicht über eine Stellenanzeige statt – sondern über ein 30-sekündiges TikTok-Video.

 

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Über den Experten:

Marcel Blum gestaltet als Digitalisierungsbeauftragter in einer Steuerkanzlei den Wandel hin zu modernen, effizienten und mandantenorientierten Prozessen. Sein Fokus liegt auf der Einführung und Optimierung digitaler Workflows, der Automatisierung sowie der Integration neuer Technologien in den Kanzleialltag.

Er versteht Digitalisierung als Chance, Transparenz, Effizienz und Zusammenarbeit nachhaltig zu verbessern. Zu seinen Schwerpunkten zählen die Prozessoptimierung, DATEV- und Cloud-Anwendungen sowie die Schulung von Mitarbeitenden im Rahmen von Change-Management-Prozessen.

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