Ein Kanzleiprofil, zwei Zielgruppen: Was Google-Bewertungen Mandanten und Bewerbenden verraten

Published on November 3, 2026

Wer eine Steuerkanzlei sucht, möchte wissen: Bin ich hier gut aufgehoben? Diese Frage stellen sich potenzielle Mandanten genauso wie Bewerberinnen und Bewerber. Google-Bewertungen können beiden Seiten Orientierung geben – auch wenn sie dieselben Rückmeldungen aus unterschiedlichen Perspektiven lesen.

Eine Unternehmerin sucht Unterstützung für ihre Buchhaltung. Ein Steuerfachangestellter überlegt, den Arbeitgeber zu wechseln. Beide werden auf Ihre Kanzlei aufmerksam und informieren sich online.

Dabei begegnen sie möglicherweise denselben Rezensionen: Menschen loben die verständliche Beratung, berichten von schnellen Antworten oder kritisieren, dass Rückmeldungen lange auf sich warten lassen. Auch Ihre Antworten darauf sind öffentlich sichtbar.

Für Ihre Kanzlei bedeutet das: Der Google-Auftritt spricht mehrere Zielgruppen gleichzeitig an. Darin liegt eine Chance für Mandantengewinnung und Arbeitgeberkommunikation.

Dieselbe Bewertung, unterschiedliche Fragen

Wie unterschiedlich eine Bewertung gelesen werden kann, zeigt ein einfaches Beispiel:

„Das Team ist freundlich, erklärt verständlich und kümmert sich zuverlässig um meine Anliegen.“

Ein potenzieller Mandant könnte daraus ableiten: Hier nimmt man sich Zeit für meine Fragen. Eine Bewerberin könnte sich fragen: Ist dieser respektvolle Umgang auch Teil der Zusammenarbeit im Team?

Die Bewertung beschreibt zunächst eine Mandantenerfahrung. Für Bewerbende kann sie dennoch einen Anhaltspunkt liefern, welche Fragen sie im Vorstellungsgespräch stellen möchten. Beide Seiten beschäftigen sich mit derselben Kanzlei – und suchen nach Hinweisen, ob eine Zusammenarbeit zu ihren Erwartungen passt.

Was potenzielle Mandanten aus Bewertungen mitnehmen

Vor einer Zusammenarbeit lässt sich fachliche Qualität von außen nur begrenzt einschätzen. Konkrete Erfahrungen mit dem Beratungsalltag können deshalb bei der Orientierung helfen.

Wer eine Kanzlei sucht, möchte beispielsweise wissen, ob Anliegen verständlich erklärt werden, Ansprechpersonen erreichbar sind und Absprachen eingehalten werden. Auch der Umgang mit Rückfragen oder Schwierigkeiten kann eine Rolle spielen. Eine Rezension, die eine Situation nachvollziehbar beschreibt, bietet dafür mehr Anhaltspunkte als ein allgemeines „Alles bestens“.

Für den Kanzleiauftritt empfiehlt es sich deshalb, Leistungen und Arbeitsweise konkret darzustellen. Wer persönliche Begleitung verspricht, sollte erklären, wie sie im Alltag aussieht. Wer digitale Zusammenarbeit hervorhebt, sollte verständlich machen, welchen Nutzen Mandanten davon haben. Interessierte können diese Aussagen dann mit den Erfahrungen anderer abgleichen.

Was Bewerberinnen und Bewerber darin erkennen können

Bewerbende lesen Rezensionen mit einem anderen Interesse. Sie möchten sich vorstellen können, wie es wäre, Teil dieser Kanzlei zu sein.

Berichte über freundlichen Kontakt, verlässliche Abläufe oder häufig wechselnde Ansprechpersonen können dafür Gesprächsanlässe liefern. Sie werfen Fragen nach Organisation, Kommunikation und Zusammenarbeit auf. Wenn Mandanten wiederholt die gute Erreichbarkeit loben, könnte sich ein Bewerber beispielsweise dafür interessieren, wie Zuständigkeiten und Vertretungen geregelt sind.

Mandantenzufriedenheit und Mitarbeiterzufriedenheit sind allerdings unterschiedliche Dinge. Aus einer begeisterten Bewertung lässt sich weder eine gute Führungskultur noch eine angemessene Arbeitsbelastung sicher ableiten. Ebenso belegt eine einzelne Beschwerde keine grundsätzlich schlechte Organisation.

Umso wichtiger ist ein Arbeitgeberauftritt, der weiterführende Einblicke bietet. Auf der Karriereseite können Kanzleien erläutern, wie Aufgaben verteilt werden, wie die Einarbeitung abläuft und welche Unterstützung Mitarbeitende erhalten. So lässt sich der erste Eindruck vertiefen und im persönlichen Gespräch überprüfen.

Ihre Antworten werden ebenfalls gelesen

Aufschlussreich für beide Zielgruppen kann auch die Art sein, wie eine Kanzlei öffentlich auf Bewertungen reagiert.

Ein potenzieller Mandant möchte erkennen, ob ein Anliegen ernst genommen wird. Eine Bewerberin interessiert sich möglicherweise dafür, wie sachlich und respektvoll die Kanzlei mit Kritik umgeht.

Für die Praxis empfiehlt sich ein ruhiger Ton: bedanken, die Rückmeldung aufgreifen und bei Klärungsbedarf einen persönlichen Austausch anbieten. Eine mögliche Formulierung lautet:

„Vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Wir möchten nachvollziehen, was zu Ihrer Unzufriedenheit geführt hat. Bitte kontaktieren Sie uns direkt, damit wir Ihr Anliegen persönlich besprechen können.“

Eine solche Antwort löst den Konflikt noch nicht. Sie zeigt aber, wie die Kanzlei das Gespräch fortsetzen möchte. Antworten sollten deshalb zur jeweiligen Rückmeldung passen und keine persönlichen Sachverhalte öffentlich ausbreiten.

Auch bei positiven Rezensionen lohnt sich eine individuelle Reaktion. Ein konkretes Dankeschön kann Wertschätzung ausdrücken, ohne aus jeder Antwort eine Werbebotschaft zu machen.

Ehrliche Bewertungen ermöglichen

Google erlaubt, Kundinnen und Kunden um Rezensionen zu bitten. Diese müssen auf echten Erfahrungen beruhen. Gegenleistungen wie Rabatte oder Geschenke für Bewertungen sind untersagt.

Eine offene Einladung könnte lauten:

„Wenn Sie Ihre Erfahrungen mit unserer Kanzlei teilen möchten, freuen wir uns über eine ehrliche Google-Bewertung.“

Daraus sollte keine Bitte um eine bestimmte Sternezahl werden. Menschen sollten selbst entscheiden können, ob und was sie schreiben möchten.

Auch das eigene Team sollte nicht als Quelle zusätzlicher Google-Sterne eingeplant werden. Google nennt aktuelle und frühere Beschäftigungsverhältnisse als mögliche Interessenkonflikte bei Bewertungen.

Der gesamte Auftritt muss zusammenpassen

Rezensionen sind ein Teil des Bildes. Ein vollständiger und aktueller Unternehmenseintrag ergänzt sie um grundlegende Informationen. Google nennt Relevanz, Entfernung und Bekanntheit als wesentliche Faktoren lokaler Suchergebnisse. Korrekte Unternehmensinformationen helfen dabei, den Eintrag passenden Suchanfragen zuzuordnen.

Betrachten Sie Ihren Auftritt anschließend aus beiden Perspektiven. Die Kurzvorstellung sollte potenziellen Mandanten vermitteln, ob die Kanzlei zu ihrem Anliegen passt. Bewerberinnen und Bewerber möchten daraus erkennen können, in welchem fachlichen Umfeld sie arbeiten würden.

Fotos können ebenfalls unterschiedliche Fragen beantworten: Mandanten gewinnen einen Eindruck davon, wo und mit wem die Beratung stattfindet. Bewerbende versuchen sich vorzustellen, ob sie sich an diesem Arbeitsplatz wohlfühlen könnten. Aktuelle, authentische Einblicke helfen beiden Seiten bei der Orientierung.

Auf der verlinkten Website sollten sich die Wege dann klar fortsetzen. Wer Beratung sucht, benötigt Informationen zum ersten Gespräch und zur Zusammenarbeit. Wer sich für eine Stelle interessiert, sollte den Karrierebereich, offene Positionen und eine passende Kontaktperson leicht finden.

Ein gemeinsamer Blick auf Google-Profil, Website und Stellenanzeigen kann zeigen, ob ein stimmiges Bild entsteht. Passen die Aussagen zusammen? Sind die Informationen aktuell? Und entspricht das vermittelte Bild dem tatsächlichen Kanzleialltag?

Bewertungen als Anlass zur Weiterentwicklung

Google-Bewertungen können helfen, die Außenwirkung der Kanzlei besser zu verstehen. Welche Stärken werden wiederholt genannt? Welche Erwartungen werden offenbar nicht erfüllt? Und was davon ist auch für die Zusammenarbeit im Team relevant?

Solche Fragen eignen sich für die nächste Teambesprechung. Dabei lohnt es sich, einzelne Rückmeldungen einzuordnen und nach wiederkehrenden Themen zu suchen. Daraus können konkrete Verbesserungen entstehen – etwa bei Zuständigkeiten, Rückmeldungen oder der Erklärung von Abläufen.

So liefert die Beschäftigung mit Rezensionen Anregungen für bessere Zusammenarbeit und einen glaubwürdigen Auftritt gegenüber beiden Zielgruppen. Denn Mandanten und Bewerbende suchen aus unterschiedlichen Gründen nach einer Kanzlei. Beide möchten einschätzen können, ob sie dort gut aufgehoben sind.

Quelle: Lexware-Blog

 

 

 

Über den Experten:

André Gorpe ist Community Manager bei Circula by Personio und betreut die Taxwerkstatt. Zuvor war er zehn Jahre beim Steuerberaterverband Niedersachsen Sachsen-Anhalt tätig. Er beschäftigt sich insbesondere mit der Frage, wie Steuerkanzleien und ihre Mandanten digital besser zusammenarbeiten können.