
Influencer im Visier der Steuerfahnder: 200 Verfahren in NRW, bundesweit Hunderte Millionen Euro Steuerschaden im Raum
Influencer verdienen über soziale Netzwerke mit Werbung, Kooperationen und Produktempfehlungen teilweise enorme Summen. Inzwischen beschäftigen sie jedoch nicht nur Marketingabteilungen, sondern auch verstärkt die Steuerfahndung: In mehreren Bundesländern laufen systematische Prüfungen, ob die Einnahmen auch tatsächlich korrekt versteuert wurden.
Allein in Nordrhein-Westfalen sind derzeit rund 200 Verfahren gegen Influencerinnen und Influencer anhängig – zusätzlich analysiert das Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität (LBF NRW) aktuell 6.000 Datensätze aus mehreren Social-Media-Plattformen. Aus diesen ergibt sich laut Behörde ein mutmaßlicher Steuerschaden von rund 300 Millionen Euro. Ziel der Ermittlungen seien vor allem professionelle Content-Creator, die ihre steuerlichen Pflichten mit hoher krimineller Energie umgehen. Nicht selten verdienten sie mehrere zehntausend Euro im Monat – ohne jemals eine Steuernummer beantragt zu haben.
Auch andere Bundesländer wie Sachsen ziehen nach. Dort ist man sich laut Finanzministerium bewusst, dass die Zahl der Influencer stetig steigt. Eine eigene Steueraufsichtsstelle arbeitet intensiv daran, aktive Social-Media-Akteure zu identifizieren, die ihrer Steuerpflicht nicht nachkommen. Für ihre Recherchen nutzen die Fahnder bislang öffentlich zugängliche Quellen. Künftig sollen aber auch digitale Prüfmethoden und spezialisierte Software zum Einsatz kommen, um potenziellen Steuerbetrug systematisch aufzudecken.
Ein Fall, der in diesem Zusammenhang öffentlich diskutiert wird, ist der von Laura Maria Rypa, der Verlobten von Sänger Pietro Lombardi. Die 29-jährige Influencerin, die rund 950.000 Follower auf Instagram hat, äußerte sich Mitte Juli in einer Story zu angeblich bevorstehenden Prüfungen. Sie betonte dabei, ihre steuerlichen Angelegenheiten stets korrekt gehandhabt zu haben und verwies augenzwinkernd darauf, sogar Ein-Euro-Parkbelege beim Steuerberater einzureichen.
Bereits 2021 hatte das Finanzamt Leipzig erste Untersuchungen bei reichweitenstarken Influencern angestoßen – damals allerdings ohne nennenswerte Auffälligkeiten. Inzwischen ist die Branche jedoch stark gewachsen. Immer mehr Influencer kombinieren ihre Inhalte mit Werbung und verdienen durch Kooperationen mit Unternehmen hohe Summen.
Auch Hamburg verfolgt einen strukturierten Ansatz: Dort wurde 2022 eine spezielle Arbeitsgruppe zur steuerlichen Behandlung von Social-Media-Akteuren eingerichtet. Seit Anfang 2024 läuft eine gezielte Branchenprüfung, die bis Anfang 2026 abgeschlossen sein soll. Die Behörden in der Hansestadt rechnen derzeit mit etwa 140 Fällen, in denen es zu Auffälligkeiten kommen könnte.
Die Entwicklungen zeigen deutlich: Die Steuerbehörden passen ihre Ermittlungsstrategien an das digitale Zeitalter an – und rücken Geschäftsmodelle der Creator Economy zunehmend in den Fokus.
Quelle: welt.de
