(1/3) Hier kommt Alex: Kernarbeitszeit

Published on May 15, 2026

Im Recruiting vermarktet man ein Unternehmen und einen Job. Das ist das Produkt.

Ein Thema das mich dabei immer wieder beschäftigt: Benefits. Was wirkt wirklich, was ist nur nettes Beiwerk – und wo liegen die blinden Flecken der meisten Kanzleien? Ich nehme das zum Anlass für eine kleine Serie. Heute: Kernarbeitszeit. Mehr als 50 % der Kanzleien auf der #talent4tax hatten noch eine.

Ich habe beim Panel-Talk kurz nachgefragt – und war ehrlich überrascht, wie viele Hände oben waren. Danach wurde ich mehrfach angesprochen. Immer mit der gleichen Frage: Warum ist das ein Problem? Hier zwei echte Gespräche vom selben Abend:

 

Kanzlei, ~20 Mitarbeiter.

Eine Teilzeitkraft kommt auf den Inhaber zu. Durch die Kombination aus ihrer Teilzeit und der Kernarbeitszeit gibt es kaum Überschneidungen mit ihm – Absprachen funktionieren nicht. Seine Reaktion: Er passt seine Arbeitszeit nicht ihrer an.

Ich verstehe den Reflex. Aber er hat das Eigentliche übersehen: Eine Mitarbeiterin die aktiv auf ihn zukommt und Lösungen sucht, ist Gold wert. Die meisten sagen nichts – und kündigen irgendwann.

Das Problem war auch gar nicht die Kernarbeitszeit. Es war die fehlende Erreichbarkeit für kurze Abstimmungen. Lösung: Zwei feste 15-Minuten-Slots im Kalender, die die Mitarbeiterin buchen – oder canceln kann, wenn's sich erledigt hat.

 

Kanzlei, ~40 Mitarbeiter.

Kernarbeitszeit wurde auf 15:30 Uhr verkürzt. Gut gemeint. Aber niemand hat kommuniziert, was das bedeutet. Ergebnis: Ein Großteil macht um 15:30 Feierabend. Mandanten erreichen niemanden mehr. Neue Mitarbeiter übernehmen das Verhaltensmuster.

Auch hier kein Problem der Regelung – sondern der Kommunikation. Die Teamleiter wussten selbst nicht, wie sie die Erwartungshaltung der Inhaber weitergeben sollen.

 

Was funktioniert stattdessen?

Kein festes Zeitfenster, aber ein klarer Rahmen: Arbeitszeit zwischen 7 und 20 Uhr, Mandantenanliegen haben Vorrang, das Team spricht sich ab, Kalender werden gepflegt. Das Ziel ist nicht früher Feierabend für alle. Das Ziel ist: Wer morgens im Stau steht, das Kind zur Kita bringt oder einfach einen ruhigen Morgen braucht – der kann das. Ohne schlechtes Gewissen. Ohne internen Stress.

Kanzleiinhaber mögen Regeln, weil sie Einzelfallgespräche vermeiden wollen. Das ist legitim. Aber eine starre Regel löst das Problem nicht – sie verschiebt es nur.

 

Im zweiten Teil der Serie geht es um das Thema Gehalt!

 

 

Über den Experten:

Alexander Godjali ist Experte für Talent Acquisition, Personalmarketing und Employer Branding. Mit über 8 Jahren Recruiting-Erfahrung, davon 4 Jahre in Kanzleien, sowie zusätzlicher Vertriebsexpertise berät er Kanzleien heute über seine eigene Agentur A Good Agency.


www.agood.agency