(1/2) Gegenwind gehört zum Geschäft - Warum Steuerkanzleien lernen müssen, Windmühlen zu bauen

Published on July 30, 2026

Montagmorgen – der Kalender ist voll, Fristen laufen, Mandanten haben Fragen. Die Abläufe sind klar, die Verantwortung ist hoch, die Qualität der Arbeit muss stimmen. Genau diese Mischung aus Struktur, Fachwissen und Verlässlichkeit hat die Steuerberatung über Jahrzehnte zu einer stabilen und vertrauenswürdigen Branche gemacht.

Stabilität klingt nach Ruhe, nach wenig Risiko, nach innerem Frieden für viele Persönlichkeiten der Branche, aber Stabilität will in unsicheren Zeiten stets neu verdient sein, und sie allein reicht heute nicht mehr aus. Bewährte Strukturen müssen heute mit einer höheren Anpassungsfähigkeit verbunden werden, damit einerseits Prozesse weiterhin zuverlässig funktionieren und andererseits eine gewisse Beweglichkeit in der Kultur erhalten bleibt.

Es gibt ein niederländisches Sprichwort, das erstaunlich gut zur heutigen Arbeitswelt passt:
„Wir können den Wind nicht verhindern, aber wir können Windmühlen bauen.“

Der Wind steht dabei für alles, was sich nicht kontrollieren lässt: neue Anforderungen, technologische Veränderungen, wirtschaftliche Unsicherheiten oder steigende Komplexität.

 

Organisationen haben grundsätzlich drei Möglichkeiten, damit umzugehen:

  • Sie können versuchen, den Wind zu ignorieren,
  • sie können sich über ihn beschweren
  • oder sie lernen, ihn zu nutzen.

Kurz gesagt: Auch Kanzleien brauchen (metaphorisch gesprochen) „Windmühlen“.

Hier kommen zwei Konzepte ins Spiel, die auf den ersten Blick eher nach Start-up-Welt als nach Steuerkanzlei klingen: Agilität und organisationale Resilienz. Richtig verstanden sind sie jedoch keine modischen Managementbegriffe, sondern beschreiben zwei Fähigkeiten, die für Organisationen jeder Branche in den letzten Jahren unerlässlich geworden sind: Die Fähigkeit, stabil zu arbeiten – und gleichzeitig innovativ lernfähig zu bleiben.

 

Resilienz: Widerstandskraft für Organisationen

Der Begriff Resilienz stammt ursprünglich aus dem Lateinischen („resilire“) und bedeutet „zurückspringen“ oder „abprallen“. In der Materialkunde beschreibt er die Fähigkeit eines Werkstoffs, nach einer Belastung wieder in seine ursprüngliche Form zurückzukehren. Übertragen auf Organisationen beschreibt Resilienz die Fähigkeit eines Unternehmens, auch unter schwierigen Bedingungen handlungsfähig zu bleiben.

Organisationen können äußere Veränderungen nicht kontrollieren. Sie können jedoch entscheiden, wie sie darauf reagieren. Resiliente Organisationen reagieren nicht erst dann, wenn Probleme bereits eskaliert sind. Sie schaffen Strukturen und eine Kultur, die es ermöglichen, Veränderungen früh wahrzunehmen, gemeinsam Lösungen zu entwickeln und daraus zu lernen.

Die internationale Norm ISO 22317 beschreibt neun Faktoren, die organisationale Resilienz fördern. Dazu gehören unter anderem eine klar gelebte Vision, vertrauensvolle Führung, eine starke Kultur der Zusammenarbeit, das Teilen von Wissen sowie die Fähigkeit, Prozesse kontinuierlich zu verbessern und Veränderungen aktiv zu gestalten.

Man kann sich diese Faktoren wie die Flügel einer Windmühle vorstellen. Jeder einzelne trägt dazu bei, dass Bewegung aufgenommen und in Energie umgewandelt werden kann. Erst wenn alle Elemente zusammenspielen – von klaren Zielen über Wissenstransfer bis hin zu kontinuierlicher Verbesserung – entsteht eine Organisation, die auch bei starkem Gegenwind stabil bleibt.

Betrachten wir nun diese Faktoren genauer, wird deutlich: Resilienz entsteht weniger durch starre Regeln als vielmehr durch eine bestimmte Art der Zusammenarbeit innerhalb einer Kanzlei.

 

Im zweiten Teil mehr zum Thema Agilität!

 

 

Über den Experten:

Fabian Büser ist Partner bei der Unternehmensberatung Müller + Partner. Seit über zehn Jahren beschäftigt er sich intensiv mit den Themen Persönlichkeits- und Organisationsentwicklung. Ursprünglich in der Qualifizierung von IT-Fachkräften gestartet, führte ihn sein Weg in die Personalentwicklung eines Handelsunternehmens, wo er als interner Coach zunächst Verkäufer:innen ausbildete und später verschiedene Projekte in der Organisationsentwicklung begleitete.

Mit seiner Expertise als systemischer Coach und Change-Berater begleitet er heute Unternehmen in Veränderungsprozessen, fördert die Entwicklung individueller Stärken und Kompetenzen und sorgt dafür, dass Teams und Organisationen zukunftsweisend aufgestellt sind.

www.muellerundpartner.de