
(2/3) Generationsübergreifende Zusammenarbeit in Steuerkanzleien
Ja, aber ...
Wer in Steuerkanzleien mit mehreren Generationen zusammenarbeitet, kennt sie: die leisen Irritationen im Alltag, die sich oft nicht als großer Konflikt äußern – aber dennoch Reibung erzeugen. Was auf den ersten Blick wie ein „Missverständnis“ erscheint, wurzelt oft in tief verankerten Kommunikations- und Arbeitsgewohnheiten, die über Jahrzehnte hinweg geprägt wurden.
So erleben wir beispielsweise, dass ältere Mitarbeitende – häufig mit der Logik von „Dienstweg“ und Hierarchietreue sozialisiert – zum Hörer greifen, wenn es ein Anliegen gibt. Die Jüngeren hingegen schreiben eine kurze Nachricht oder kommentieren eine Teams-Aufgabe asynchron. Was die einen als pragmatisch empfinden, wirkt auf die anderen distanziert oder respektlos.
Auch im Umgang mit Aufträgen und Aufgabenstellungen zeigen sich Unterschiede: Während die Generation Babyboomer oder X oft Wert auf funktionale Effizienz legt („Das muss erledigt werden.“), stellen Jüngere – insbesondere Vertreter:innen der Generation Y – häufiger Sinnfragen: „Warum genau ist diese Aufgabe relevant?“
Was als Ausdruck von Reflexionsfähigkeit gemeint ist, wird von älteren Kolleginnen und Kollegen nicht selten als Kritik oder Ungehorsam empfunden. Eine Studie des ddn (Demographie Netzwerk e. V.) aus dem Jahr 2022 belegt: Unterschiedliche Erwartungen an Führung, Kommunikation und Selbstbestimmung sind Hauptursache für Irritationen im Team – noch vor technischen Fähigkeiten oder Arbeitstempo.
Ein weiteres Thema im Wandel: Feedback
In vielen Kanzleien wurde Rückmeldung traditionell nur bei Problemen oder im Jahresgespräch gegeben – häufig sachlich, selten individuell. Jüngere Mitarbeitende hingegen erwarten Feedback als kontinuierlichen Entwicklungsimpuls. Sie fordern eine wertschätzende Kultur des Lernens. Wird das nicht erfüllt, entsteht Frust – auf beiden Seiten.
Und schließlich: das Spannungsfeld zwischen Struktur und Flexibilität
Während ältere Generationen eher Stabilität und feste Abläufe schätzen, sucht die jüngere nach Individualisierungsmöglichkeiten, flexiblen Arbeitszeiten und hybriden Modellen. Wenn diese Erwartungen nicht offen verhandelt werden, entstehen Missverständnisse, die sich ungewollt in der täglichen Zusammenarbeit wiederfinden.
Fakt ist: Die Konfliktfelder sind real – aber sie sind nicht unüberwindbar. Sie fordern von Kanzleileitungen ein hohes Maß an Moderation, Bewusstsein für Prägungen und die Bereitschaft, starre Zuschreibungen zugunsten echter Begegnung aufzugeben.
Im drittenTeil geht es weiter mit dem "Ja, und ..." ;-)
Über die Expertin:

Charleen Calov ist fasziniert von Teamarbeit, Change-Prozessen und dem sozialen Miteinander in Unternehmen. Als Trainerin, Beraterin und systemischer Coach gibt sie Impulse für neue Perspektiven.
Im Digitalen zu Hause schätzt sie den direkten Austausch mit den Kundinnen ebenso sehr. Ein Masterabschluss in „Ethik und Organisation“ rundet dabei ihr Profil ab und bildet die Grundlage für ihre Prozessbegleitungen und Teamentwicklungen.
