
Fachkräftemangel in der IT – Auswirkungen auf Steuerkanzleien
Laut einer aktuellen Bitkom-Umfrage fehlen in Deutschland derzeit rund 109.000 IT-Fachkräfte. Zwar liegt diese Zahl deutlich unter den 149.000 unbesetzten Stellen vor zwei Jahren, doch von einer echten Entspannung kann keine Rede sein. 85 % der befragten Unternehmen sprechen weiterhin von einem Mangel, nur 10 % sehen das Angebot als ausreichend, und 79 % erwarten sogar eine weitere Verschärfung in den kommenden Jahren.
Die Ursachen sind vielfältig: wirtschaftliche Unsicherheiten, Zurückhaltung bei Neueinstellungen und ein demografischer Wandel, der dazu führt, dass weniger junge Fachkräfte nachrücken, während viele ältere in den Ruhestand gehen. Gleichzeitig steigt der Bedarf an IT-Expertinnen und -Experten durch die fortschreitende Digitalisierung in Wirtschaft, Verwaltung – und auch in der Steuerberatung.
Für Steuerkanzleien bedeutet das: Der Wettbewerb um qualifizierte IT- und Digitaltalente findet längst nicht mehr nur innerhalb der Branche statt, sondern auch mit der freien Wirtschaft, die oft mit höheren Gehältern, flexibleren Arbeitsmodellen und moderner Arbeitsumgebung punktet. Dabei sind digitale Kompetenzen inzwischen in nahezu allen Kanzleipositionen gefragt – sei es für die Optimierung von Prozessen, den Einsatz von KI oder die Betreuung digitaler Mandantenportale.
KI als Chance und Herausforderung
Der Einsatz Künstlicher Intelligenz verändert Berufsbilder. 42 % der Unternehmen rechnen mit einem zusätzlichen Personalbedarf durch KI, 27 % erwarten dagegen einen Abbau klassischer Stellen. Ein Viertel geht davon aus, dass IT-Fachkräfte ohne KI-Wissen künftig kaum mehr gefragt sein werden. Für Kanzleien eröffnet dies neue Möglichkeiten, den Fachkräftemangel teilweise zu kompensieren – vorausgesetzt, das Team verfügt über das nötige Know-how im Umgang mit diesen Technologien.
Hindernisse bei der Personalgewinnung
Die durchschnittliche Besetzungsdauer einer IT-Stelle liegt unverändert bei 7,7 Monaten. Hauptprobleme sind neben hohen Gehaltsvorstellungen auch mangelnde Flexibilität bei Arbeitsort und Arbeitszeit. Für Steuerkanzleien, die im Wettbewerb mit großen Unternehmen stehen, kann hier ein Umdenken entscheidend sein, um Talente anzuziehen – etwa durch Homeoffice-Optionen, flexible Arbeitszeitmodelle oder gezielte Benefits.
Strategien gegen den Mangel
Unternehmen setzen vermehrt auf Weiterbildungsprogramme (31 %), Quereinstieg (22 %) und Maßnahmen zur Gewinnung von Frauen (14 %). Auch für Kanzleien bietet sich hier Potenzial: Weiterbildung im digitalen Bereich, die Integration fachfremder Quereinsteiger mit IT-Affinität und die gezielte Förderung weiblicher Talente können helfen, den Bedarf zu decken.
Der Fachkräftemangel darf nicht zur Bremse der digitalen Transformation in Steuerkanzleien werden. Wer heute in die Entwicklung digitaler Kompetenzen investiert und attraktive Arbeitsbedingungen schafft, sichert sich nicht nur Wettbewerbsvorteile, sondern gestaltet auch aktiv die Zukunft seiner Kanzlei.
